Neues aus der Bananenrepublik

Ich bin durch mehrere Besucher meines Blogs inspiriert worden, mich wieder einmal  mit dem allumfassenden Thema „Du bist Schöpfer deiner eigenen Realität“ auseinander zu setzen. 

In der Theorie kann jeder alles erreichen, wenn er nur die richtige Einstellung, den nötigen Fleiß etc. hat. Nach dem Motto: Wer hat, bekommt immer mehr dazu…

Dieser eigentlich richtige Ansatz legitimiert die Ideologie, dass alle, die es in diesem Leben zu nichts bringen, natürlich selber schuld sind. Der amerikanische Traum „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ und der damit oft verknüpfte Glaube, dass Gott die Seinen besonders liebt und ihnen deshalb Wohlstand und Glück beschert, hat die Welt zu dem gemacht, was sie ist.

Die einen sehen darin eine allgemeine und natürlich persönliche Erfolgsgeschichte, die anderen sehen vor allem die darauf basierende Zerstörung und eine mit nichts  mehr zu rechtfertigende Ungerechtigkeit.

Das ist ein so derart interessantes und vielschichtiges Thema, dass ich mich auf eine Auseinandersetzung damit freue. Insbesondere, da ich darum weiß, und dennoch zu den Schwachen halte. Und natürlich bin ich aus Sicht der Mächtigen und Reichen der totale Loser. Ich gehöre nicht dazu, und bin in keinster Weise geneigt, dazu zu gehören.Vielmehr kritisiere ich die darauf basierenden neoliberale Thesen. Ich geh sogar noch weiter: Die Schätzelchens aus der Gruppe der selbsternannten Eliten, sind meiner festen Überzeugung nach die eigentlichen Loser. Warum, werd ich – wenn ich etwas Zeit hab – präzise erläutern.

Stunden später. Hab etwas Zeit.

Prignitzer, dein Einwand ist witzig und richtig. Weil alles eine Sache des Blickwinkels ist.

Das Bestellen beim Universum scheint, wenn man den vielen Büchern darüber glauben darf, eigentlich ganz einfach. Wisse, dass du es kannst, und du kannst es. Also glaubte ich zu wissen, dass ich die Schwerkraft überwinden zu könne.

Wie ihr daran seht: Ich habs nicht so mit dem Kleinkram. Ich will gleich über Grenzen hinaus. Da mir das immer wieder gelungen ist, wusste ich, dass ich es kann. Aber dann fiel mir auf, dass ich nicht konnte, wenn ich unbedingt wollte. Es gelang mir das eigentlich Unmögliche immer, wenn ich es einfach tat. Der Verstand selbst blockierte mich.

Als es um das Thema Geld ging, wurde es für mich schwierig. Ich mag Geld nicht. Doch irgendwann dachte ich, dass ich ja – wenn ich reich wäre – Gutes damit tun könnte. Nach einem gerüttelt Maß Coaching war ich soweit. Ich manifestierte mir meinen Weg und mein Ziel. Es war vollkommen präsent. Die einen nennen derartige Zustände manisch, die anderen zentriert und kraftvoll.

Alles flutschte. Eins gab das andere und alles funktionierte. Ich bekam aus dem Universum alle Hilfen, die ich mir visualisierte. Es war greifbar, dass ich meine Manifestation vollenden würde.

Als ich auf der obersten Welle meines eigenen Erfolgs stand, passierte etwas in mir.

Ich musste als angehende Geschäftsfrau eine Menge Institutionen durchlaufen. Ich sah alle Probleme und ich sah die Unterstützung. Ich sah, dass man egal wie gut die Idee ist, nach gewissen Regeln spielen muss. Im Erfolgsrausch selbst, wandelte ich mich und letztlich verlor ich mich. Ich sah nicht mehr, was die äußere Veränderung mit mir selber machte.

An einem gewissen Punkt begann eine innere Zäsur. Wissend, dass das mit der Manifestation wahrhaft Gültigkeit hat, erkannte ich, dass ich einen Fehler begehe, wenn ich mich dabei nicht mitnehme.

Danach krachte mein Leben in allen Bereichen zusammen. Alles brach zusammen. Ich verlor alles, und damit erst recht mich. Je höher man ist, desto tiefer fällt man.

Es dauerte eine gewisse Zeit, bis ich mich wieder fing. Noch immer hab ich mich nicht ganz erholt. Kann nicht an die Kraft anschließen, über die ich zuvor verfügte.

Aber, und das versteht nur, der ebensolches erlebt hat, ich bereue nichts. Ich bin froh über die Erfahrung, die ich mir geschenkt habe. Ich weiß, dass ich nicht glücklich geworden wäre, wenn ich weiter auf dieser getragenen Erfolgswelle geschwommen wäre. Geld erzeugt Geld. Nicht Leistung. Die vollbringt man bestenfalls vorher. Eine nicht endende Quelle aber übersättigt schnell. Menschen, die wie ich immer die Grenzen suchen, um sie zu überschreiten, werden niemals genug kriegen. Ich muss immer weiter.

Reiche müssen immer reicher werden, um dieses Lustgefühl zu erreichen. Schöne müssen immer mehr für ihre Schönheit tun, um nicht zu leiden, dass sie älter werden. Gipfelstürmer erliegen der selben Sucht. Der nächste Berg muss höher und gefährlicher sein. Mehr, mehr, mehr … Es ist ab einem gewissen Zeitpunkt ein Unglück.

Glücklich sind die Zufriedenen. Das sind meist die, denen es soweit von ihrer eigenen Arbeit gut geht. Soziale Eingebundenheit ist dabei genauso wichtig wie Gesundheit.

Unglücklich soll nach universeller Leere sein, wer in Armut, Mangel, Defizit lebt. Doch auch das kann ich nicht bestätigen. Armut hat viele Gesichter. Armut oder Reichtum an Geld, Macht und Erfolg festzumachen,  ist völlig absurd. Verzicht, Askese kann ebenso eine Sucht werden. Auch diese Grenzen hab ich bei weitem überschritten und überlebt. Ich fühle mich nicht arm, wenn ich verzichte. Ich fühle mich arm, wenn ich verzichten muss. Wer als Reicher zulässt, dass viele auf Lebensnotwendiges verzichten, und dann auch noch über diese Menschen herzieht, ist voller Angst vor Verlust. Armut bedroht Reichtum. Das manifestiert sich in Aggression gegen Arme. Angst ist die größte Triebfeder für Menschen, die nie genug Geld kriegen können. Es sind die Menschen, die das Prinzip des Universums zwar begriffen aber zementiert haben. Damit sind sie Gefangene ihrer selbst.

Ich habe viele Menschen in den Tod begleitet. Wenn Sterbende Bilanz ziehen, können wir Jüngeren viel über uns selbst und das Leben lernen. Am Ende zählt nur die Liebe. Wer sein Leben auf Elitedenken manifestiert, und dabei arrogant auf die Erfolglosen blickt, sieht nicht, was er selbst verloren hat. Es sind die Tragischen, die mit über 90 nur an ihr Geld denken. Es sind die Verzweifelten, die im hohen Alter feststellen, dass sie ein wertloses da herzloses Leben gelebt haben.

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Kommentare zu: "Bestellung beim Universum und der Kapitalismus" (5)

  1. Frei nach Arthur Spooner:
    Arthur: „Douglas, ich erzähl dir jetzt mal was über Verlierer. Ich glaube, die Verlierer sind die wahren Gewinner.“
    Doug: „Und was sind dann die Gewinner?“
    Arthur: „Die bleiben Gewinner. Den Titel kannst du ihnen nicht nehmen. Schließlich haben sie ja mal gewonnen.“

  2. Erzengel schrieb:

    Ich bin auch eher für die Loser,Lieber ein menschliches Herz als ein kaltes Herz,das nichts fühlt.Was hat aber Gott mit Tellerwäscher zum Millionär zu tun? Tanze das Goldene Kalb oder was.

  3. Das goldene Kalb ist Ausdruck des Gottes Mammon. Der Kapitalismus verspricht uns, dass es der Kleinste unter uns schaffen kann, wenn er sich nur anstrengt. Das Ergebnis sehen wir.

  4. Heh, es war der angebliche Gründer der Christlichen Kirchen,der gesagt haben soll:Geben ist besser als nehmen.Ich habe das immer so verstanden, helfe deinen Mitmenschen bei Arbeit Spass und Spiel.

  5. Bingo schrieb:

    E, du scheinst ein sehr naiver und sympatischer Mensch zu sein.

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