Neues aus der Bananenrepublik

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Am 23. Februar, dem internationalen Aktionstag für Deine Privatsphäre haben Anonymous, Piraten und Netzaktivisten in vielen europäischen Städten zu Demonstrationen aufgerufen. So auch in München.
Weil ich München, die Stadt der Snobs kenne, ahnte ich schon, dass nur wenig los sein würde. Tja, als ich dann fünf Minuten vor Beginn ankam, standen da knapp 10 demonstrationswillige Leute rum…

Als es dann mit dem Marsch – nach langem in der Kälte rumstehen – losging, schätz ich, dass wir schon so über 30 Demonstranten waren. Immerhin! Bei den Nazis sinds manchmal noch weniger…
Uns begleiteten Gott sei Dank jede Menge Polizisten. Das machte die Demonstration dann doch etwas üppiger – und auf die Masse kommt es schließlich an. Und man kann ja gegen Polizei sagen was man will, aber wenn ich demonstriert habe, waren die immer dabei. Eine Berufsgruppe, auf die Verlass ist! Der Unterschied: Polizisten sind bezahlte Berufsdemonstranten, während wir anderen auch noch draufzahlen…
Als ich auf einen Polizisten zuging, und sagte: Ich schätze, wir sind etwa 20000, was meinen Sie?, lachte der herzhaft und zeigte nickenderweise echten Humor.
Interessant war die Demo dennoch, in mehrerlei Hinsicht:
Horden von FC-Bayernfans warn unterwegs und gröhlten sich in Trance… achne, andere Baustelle…
Eine Journalistin vom Ersten wollte ein Interview, aber alle weigerten sich. Auch ich. Grund: Wer gefragt wird, vertritt eine Einzelmeinung. Und die wird so oder so zerpflückt und allen, die gegen die Totalüberwachung sind, als Kollektivmeinung untergejubelt. Dass die Öffentlich Rechtlichen nichts Gutes mit Piraten und anderen Netzaktivisten im Sinn haben, hat die Vergangenheit bewiesen, meinten meine Mitdemonstranten. Schweigen ist also Gold. Es gab also kein Interview, sondern nur ein demonstratives Abwenden von der herkömmlichen Presse. Ich persönlich bin nicht überzeugt, dass das der richtige Weg ist, um die Negativpresse aus der Welt zu schaffen. Aber es ist tatsächlich so: Bei der allgemein negativen Berichterstattung will keiner mehr seine Einzelmeinung vertreten.
Noch schlimmer war das Flyerverteilen zum Thema Totalüberwachungspläne der EU. Das Echo war fast nur negativ. Wegen Leuten wie uns müsse die Totalüberwachung ja erst eingeführt werden…. Ein bekennendes CSU-Mitglied meinte, dass das alles so nicht kommen würde und ich mir keine Sorgen machen brauche… Den meisten aber ging das Thema völlig am A… vorbei… Interessiert nicht. Immerhin: Eine Gruppe Jugendlicher meinte, da könne man eh nichts mehr dagegen machen, und darum hätte Widerstand keinen Sinn.
Das einzig Erbauliche an der Demonstration war ein Gespräch mit einem Polizisten. Ich ging auf ihn zu, und fragte ihn nach seiner Meinung zum Thema. Der meinte, dass es noch so viel Überwachung geben kann… aber wer bitte soll das auswerten? Das sei angesichts der Fülle an Informationen völlig unmöglich. Er selbst wolle aber auch nicht totalüberwacht sein, und er verstehe uns. Mensch muss Mensch bleiben.

Der hat mir getaugt. Es gibt also auch sehr vernünftige Polizisten in Bayern. Und da ich oft kritisch bin, muss ich das jetzt auch mal besonders loben, nich… 😉 Und das, was er gesagt hat, hat schon was Beruhigendes… wenns denn so wäre…

Was mich besonders schockiert hat, war die Info, dass unsere Banken und Versicherungen unbedingt auch an all unsere Daten kommen wollen. Zu diesen Daten zählen auch Krankeninformationen, sexuelle Neigungen etc… Und wer Röslers und Konsorten kennt, weiß, dass Politik geneigt ist, dem nachzugeben…
Aber es ist den Leuten eben egal. Die Demokratie ist also, wenn man die desinteressierte Masse anschaut, echt für den Arsch…

Dennoch:

Wir sind hier
wir sind laut
weil ihr uns die Daten klaut!
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Kommentare zu: "Demoerfahrung: Demokratie fürn Arsch" (2)

  1. Sehr lustiger Demobericht. 😀

    Es ist übrigens typisch für die Masse, die Probleme zu verdrängen: „Ach, soweit wirds nicht kommen.“ sagen sie.

    Ich frage mich nur, wieso nicht, wer sollte es verhindern?

    Über Hitler haben sie auch gesagt, ach, soweit wirds nicht kommen. Es war eben unvorstellbar. aber nicht unmöglich.

  2. So ist es. Und wir rennen sehenden Auges in eine neue Diktatur mit einer nie gekannten Qualität. Diesmal aber wird uns der Ami nicht aus der Scheiße ziehn…

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